Kurze Zürich-Geschichten

bäckermeister wackerbold

Um 1280 rum lebte im Niederdorf der Bäckermeister Wackerbold. Weil er zu leichte Brote verkauft habe, oder weil er Sägemehl unter das Mehl gemischt hatte, so genau ist das nicht überliefert, wurde er an den Pranger am Limmatufer beim Rathaus gestellt.

Er wurde in einen Korb gesperrt, und immer wieder in die Limmat getaucht. Die Leute beschimpften und bespuckten ihn während er wehrlos zur Schau gestellt war.

Wackerbold beschloss eine schlimme Rache. Er füllte seine Bäckerei und sein Haus im Niederdorf  mit dürrem Reisig und beim nächsten Fönsturm zündete er es an. Das Niederdorf brannte lichterloh!

Der unglückselige Bäcker verschwand und ward nie mehr in der Stadt gesehen.


Das Haus zum schwarzen Garten

Kennst du das Haus Zum schwarzen Garten in Zürich? Es liegt im Niederdorf, an der Stüssihofstatt. Im 15. Jh wurde es bewohnt von Felix Glöckner und seiner Glockengiesser Familie. 1453 machte Felix sich auf einen Kreuzzug nach Ägypten. Das wertvollste Juwel, dass er zurück brachte war eine wunderschöne schwarze Frau. Die Zürcher hatten noch nie zuvor einen dunkelhäutigen Menschen, geschweige denn eine solche Schönheit gesehen. Um sie vor den neugierigen Blicken zu schützen sperrte er sie in sein Haus ein. Um ihr das Paradies auf Erden zu bieten, verwandelte er den Innenhof in einen wunderbaren tropischen Garten. 

Noch heute ist nicht klar, weshalb das Haus Zum schwarzen Garten heisst. Wegen der schwarzen Frau? Oder weil es einen Brand gegeben haben soll, um diese tragische Geschichte zu beenden?


Die abenteuerliche geburt

Johannes Caspar Lavater erblickte im Jahre 1741 an der Spiegelgasse 11 im Zürcher Niederdorf die Welt. Als 12. Kind überrumpelte die schnelle Geburt seine Mutter, welche ihn demzufolge alleine gebahr. Er war blau angelaufen, aber noch schlimmer: er atmete nicht! Die herbeigeeilte Hebamme nahm schnell ein paar Zehen Knoblauch, verkaute sie und hauchte dem Neugeborenen in die Nase. Vom scharfen Dunst schockiert nahm das Baby einen tiefen Atemzug!

Lavater wurde berühmt als Verfasser von 3 Büchern über die Physiognomie: eine Wissenschaft, die den Charakter eines Menschen anhand seiner Gesichtszüge erkennen will. Dabei unterstütze ihn niemand anderes als sein guter Freund Goethe, welcher ihn drei Mal in Zürich besuchte. Zu dieser Zeit war es sehr schick, einen Physiognomen an der Teeparty dabeizuhaben, der in alle Anwesenden positive Eigenschaften hinein interpretierte.
Vor allem aber war Johannes Caspar Lavater Pfarrer der St. Peter Kirche. Als brillanter Rhetoriker verstand er es, die Menschen in die innersten Winkel ihres eigenen Ichs zu führen, die sie selber noch gar nicht kannten. Er war so populär, dass die Menschen von weither zu seinen Gottesdiensten kamen und ihm fast die Kirchtür einrannten.

pfarrhaus des schreckens

Klingler, oberster Pfarrer Zürichs, bewohnte 1701 mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter das Antistitium am Zwingliplatz 4. Ausserdem wohnten zwei Mägde im Haus sowie der Hausgast Wirz, ein Theologe, der auf eine Anstellung wartete.

Die Pfarrersfrau hatte in ihrem Schlafzimmer ein Glöcklein befestigt, damit das kranke Töchterlein sie über eine Schnur rufen konnte in der Nacht. Auf einmal bimmelte das Glöcklein wie wild, obwohl das Mädchen sich nicht gerührt hatte! In den folgenden Nächten ging der Spuk weiter: schleppende Schritte waren vom obersten Stock hörbar und die Pfarrersfrau vermutete sofort den Geist eines verstorbenen Verwandten. Über die nächsten Tage wurde es immer schlimmer: Bücher flogen aus den Regalen, Eimer wurden umgeworfen, Möbel verschoben und Türen knallten. Bei einer Geisterjagd stellte der clevere Wächter Hans Müller fest, dass ihm ein Buch in den Rücken geworfen wurde, dass genau aus der Richtung des Theologen Wirz kam und es traf ihn ein Apfel, geworfen von einer Magd. 

Nun flog alles auf: Wirz und die Mägde hatten den Spuk inszeniert, indem sie Schnüre an Gegenstände gebunden hatten. So konnten die Verschwörer des Nachts Unzucht miteinander treiben und den Lärm auf den Poltergeist abschieben. Für den kopflosen Wirz endete die Geschichte unter dem Schwert des Richters.

Festgehalten ist dieses Ereignis in einem 300 jährigen Tagebuch, dem «Diarium Tragediae Diabolicae», das mit buchhalterischer Genauigkeit die Taten des Poltergeists festhält.

Von der Erfindung der WC Ente

1951 kämpft Maria Düring, eine Hausfrau aus Zürich, daheim gegen eine verkalkte Toilette. In ihrem Keller erfindet sie ein Reinigungsmittel auf Salzsäurebasis. Es dauert drei Jahrzehnte bis ihr Sohn, Walter Düring, die Idee wieder aufnimmt. Zusammen mit seiner Frau Vera bringt der Drogist das Reinigungsmittel zur Serienreife und entwickelt einen Holzprototypen, welchen er patentieren lässt. Charakteristisch ist der lange, geschwungene Hals der Flasche, mit der man die Flüssigkeit unter den WC-Rand spritzen kann. Bei einem Spaziergang am See bemerken sie die Ähnlichkeit des Entenhalses mit der Form des Flaschenhalses -  sie taufen das Produkt WC-Ente!

Fakt ist, dass die WC-Ente ein paar Jahre nach der Lancierung weltweit millionenfach verkauft wurde und andere geniale Produkte, wie Durgol, folgten. Am Sitz des Familienbetriebs in Dällikon ZH sichern 36 Mitarbeiter die Zukunft der Düring AG. Über 60 Patente schützen die WC-Ente vor Nachahmern.


Termin-Chaos bei der einladung von freunden

Ein junger Aargauer kommt für das Informatikstudium nach Zürich. Schon als Myke Näf mit 13 seinen ersten Computer geschenkt bekommt, hört er, dass die ETH ihn ruft.

Ein paar Jahre später arbeitet er als Dozent an der ETH. Myke möchte ein paar Freunde zum Dinner einladen. Die Terminfindung erweist sich als äusserst mühsam. Er sucht eine Lösung für das Problem: der online Terminplaner Doodle ist geboren!

Wie er auf den Namen gekommen ist? Das englische Worte „to doodle“ (kritzeln) sei in seinem Wortschatz gewesen, habe einen guten Klang gehabt und eine entsprechende Domain wäre auch noch frei gewesen. Zusammen mit Paul Sevinç gründet er im Technopark eine Firma, die er 7 Jahre später an TA Media verkauft. Ein Leben ohne Doodle kann man sich heute kaum mehr vorstellen: 30 Millionen Menschen nutzen das praktische Tool weltweit. Und Myke Näf fliegt heute als Business Angel umher und unterstützt Start-ups, von seinem Büro aus, im Haus zum Schwert, auf der Gemüsebrücke.


der beamer und seine zürcher wurzeln

Die ETH ist Quelle vieler innovativer Ideen. 1939 stellt der ETH Professor Fritz Fischer ein Gerät vor, dass er Eidophor nennt. Der Name kommt aus dem griechischen und bedeutet "Bildbringer". Erstmals können Kino- und Fernsehbilder grossflächig projiziert werden. Allerdings ist das Gerät riesig und füllt zwei Stockwerke des Physikgebäudes an der ETH. 14 Jahre später folgt der erste tragbare Eidophor.

Bis in die späten 1980er Jahre kommt der Eidophor vor allem bei Tagungen, Vorlesungen und Seminaren zum Einsatz. Auch das Fernsehen hat ihn für Hintergrund Projektionen in den Studios entdeckt.

Lange war er für wichtige Sportevents kaum wegzudenken.


Mordnacht in zürich

In der Nacht vom 23. auf den 24. Februar 1350 versuchten Adlige Zürich wieder unter ihre Kontrolle zu bringen. Ausgangslage war die Zunftrevolution von Bürgermeister Rudolf Brun. Mit Hilfe von Handwerkern vertrieb Brun im Jahr 1336 die Ratsherren aus der Stadt und bildete mit den Zünften einen neuen grossen Stadtrat.

In der Mordnacht von Zürich versuchten mehrere Adlige mit ihrer Gefolgschaft Bürgermeister Brun und seine Anhänger im Schlaf zu ermorden und die Stadt an sich zu reissen. Verschwörer im Inneren öffneten für ihre Verbündeten die Stadttore, damit sie eindringen konnten. Die Verschwörer versuchten das Läuten der Sturmglocke im Grossmünster und damit das Sammeln der wehrfähigen Männer zu verhindern. Durch die ganze Nacht hindurch wurden erbitterte Gefechte in den Strassen Zürichs ausgetragen. Besonders blutig waren die Kämpfe bei der Zunft zum Widder (Nähe Lindenhof). Wachsame Bürger haben sich gegen die Adligen gestellt und einen Anschlag auf Bürgermeister Brun verhindert. Allen voran haben die Metzger mit ihren Schlachtbeilen und Messern grimmige Arbeit geleistet und die Putschisten vertrieben. Als Dank erhielten sie vom Zürcher Rat den „Isengrind“, einen goldenen Halblöwen auf einer Stange, geschenkt, der noch heute sinnbildlich an den Umzügen mitgetragen wird. Rund 30 Menschen starben in der Mordnacht und die meisten Gefangenen liess Bürgermeister Brun rädern oder köpfen.